Ein grünes Band mit gelben Sonnenblumen erobert die Welt – und bald auch Langenfeld. Es ist ein dezentes, aber kraftvolles Signal für Menschen mit unsichtbaren Behinderungen oder chronischen Erkrankungen. Wir haben mit Michael Töller gesprochen. Er ist nicht nur in Langenfeld tief verwurzelt, sondern als Direktor Deutschland dafür verantwortlich, das Projekt bundesweit voranzutreiben.
Michael Töller im Interview mit L'felder
L’felder: Michael, das Thema Inklusion und Barrierefreiheit begleitet dich schon sehr lange. Wie kam es dazu, dass du dich nun offiziell der „Hidden Disabilities Sunflower“ verschrieben hast?
Michael Töller: Für mich ist das Thema keine reine Theorie, sondern gelebter Alltag. Sowohl im privaten Umfeld als auch in der Zusammenarbeit mit meinen Mitarbeitern erlebe ich täglich, vor welchen Herausforderungen Menschen mit Behinderungen stehen. Echte Teilhabe ist mir eine Herzensangelegenheit. Letztes Jahr habe ich intensive Gespräche mit dem Gründer der Initiative in Großbritannien, Paul White, geführt. Das Konzept hat mich sofort begeistert, weil es so simpel wie genial ist. Als die Frage aufkam, wer das Projekt in Deutschland strategisch leiten soll, musste ich nicht lange überlegen. Ich bin stolz darauf, als Direktor Deutschland die Sunflower in die Welt – und vor allem in unsere Region – zu tragen.
L’felder: Du bist ja weit über die Stadtgrenzen hinaus als Berater im Bereich Barrierefreiheit aktiv, besonders in der Freizeit- und Erlebnisbranche. Hilft dir diese Erfahrung bei der neuen Aufgabe?
Michael Töller: Absolut. Barrierefreiheit kennt keine Grenzen – außer denen in unseren Köpfen. Ich berate seit Jahren deutschlandweit Unternehmen und Freizeitparks dabei, wie sie Inklusion und Zugänglichkeit strategisch umsetzen können. Mittlerweile mache ich auch die ersten Schritte im europäischen Ausland, um mir dort die Barrierefreiheit anzusehen und erste Betriebe zu beraten. Diese Expertise fließt eins zu eins in meine Arbeit für die Sunflower ein. Immer mehr Städte und große Freizeiteinrichtungen in NRW ziehen bereits nach und werden offizielle Sunflower-Mitglieder. Dieses Bewusstsein möchte ich nun nutzen, um auch den Kreis Mettmann und ganz besonders Langenfeld zu einer echten „Sunflower-City“ zu machen.
L’felder: Wie genau soll die Umsetzung in Langenfeld aussehen, und wer kann alles mitmachen?
Michael Töller: Rund 80 % aller Behinderungen sind auf den ersten Blick nicht sichtbar – dazu gehören Autismus, chronische Schmerzen, Demenz oder Seh- und Hörbeeinträchtigungen. Wer das Sunflower-Band trägt, signalisiert diskret: „Ich brauche vielleicht etwas mehr Zeit, Geduld oder Unterstützung.“ Mitmachen können alle: der Einzelhandel, Behörden, der ÖPNV und Freizeiteinrichtungen.
Eine ganz zentrale Rolle spielen für mich aber auch die lokalen Vereine. Sie stehen im direkten Kontakt mit den Menschen und können das Thema perfekt an ihre Mitglieder weitergeben. Um diese Brücke so einfach wie möglich zu bauen, ist die Sunflower-Mitgliedschaft für Vereine mit einer extrem günstigen Jahresgebühr verbunden.
L’felder: Gibt es neben dem Service für Kunden und Gäste noch andere Effekte, die Unternehmen bemerken, wenn sie bei der Initiative mitmachen?
Michael Töller: Ja, und das ist ein faszinierendes Phänomen, das wir auch bei uns intern im Team stark beobachten. Meistens führen Unternehmen die Sunflower für ihre Kunden, Gäste oder Besucher ein. Nach einiger Zeit bemerkt man aber einen wunderschönen Nebeneffekt: Es entsteht ein völlig neues, internes Bewusstsein im Team. Die Mitarbeiter entwickeln eine ganz andere Achtsamkeit, geben sich gegenseitig mehr Zeit und achten intensiver aufeinander. Das Miteinander rückt wieder in den Fokus. Die Sunflower verändert also nicht nur den Service nach außen, sondern stärkt spürbar die Kultur und das gegenseitige Verständnis innerhalb des eigenen Betriebs.
L’felder: Wo soll die Reise mit der Sunflower in den nächsten Monaten hingehen?
Michael Töller: Die Sonnenblume soll überall dort ganz normal werden, wo Menschen aufeinandertreffen. Wir stehen in Langenfeld in den Startlöchern und wollen ein starkes, lokales Netzwerk aufbauen. Mein großer Wunsch und mein Ziel für die nächste Zeit ist es ganz klar, dass Langenfeld bald auch offiziell eine „Sunflower City“ wird. Noch sind wir nicht ganz so weit, aber die Gespräche laufen. Ich hoffe sehr, dass wir diesen Schritt bald gemeinsam gehen können, damit sich Betroffene hier im Alltag flächendeckend sicher, verstanden und willkommen fühlen.
