Das Langenfelder Stadtmuseum präsentiert mit der Ausstellung „Heikendorf – eine holsteinische Künstlerkolonie“ einen eindrucksvollen Einblick in die Kunst- und Kulturgeschichte eines besonderen Ortes im Norden Deutschlands.
Am Ostufer der Kieler Förde entwickelte sich das einstige Bauern- und Fischerdorf Heikendorf seit dem späten 19. Jahrhundert zu einem Anziehungspunkt für Kunstschaffende. Schon zuvor hatte der Panoramablick von der Uferhöhe aus Besucher begeistert. Mit dem Bau verstärkter Verkehrsverbindungen nach Kiel ließ sich schließlich auch der Hamburger Maler Heinrich Blunck nieder und legte damit den Grundstein für eine lebendige Künstlergemeinschaft.
Über Jahrzehnte prägten Künstlerinnen und Künstler wie Rudolf Behrend, Oskar Droege, Werner Lange, Jeane Flieser und Bildhauerin Karin Hertz das kulturelle Leben des Ortes. Ihre Werke erzählen von Küstenlandschaften, gesellschaftlichen Umbrüchen und persönlichen Erfahrungen – von der impressionistisch geprägten Landschaftsmalerei bis hin zu ausdrucksstarken, teils expressionistischen Positionen.
Jeane Flieser – Zwischen Expressionismus und Zeitgeschichte
Ein besonderer Fokus liegt auf Jeane Flieser. Ihr künstlerisches Talent wurde früh erkannt, doch politische Repressionen nach dem Krieg behinderten ihre Entwicklung. Beeinflusst durch ihren Lehrer Karl Schmitt-Rottluff wandte sie sich zunächst dem Expressionismus zu. Frühe Arbeiten zeigen farbenfrohe Stillleben und Porträts, später wurde ihre Palette dunkler und intensiver. Ihre Werke spiegeln eine tiefe Auseinandersetzung mit den Erfahrungen der NS-Zeit sowie einen kritischen Blick auf gesellschaftliche Entwicklungen ihrer Generation wider.
Werner Lange – Vielfalt der Ausdrucksformen
Auch Werner Lange wird in der Ausstellung umfassend gewürdigt. Der in Kiel geborene Künstler war stilistisch vielseitig und arbeitete mit unterschiedlichen Techniken. Nach Studienjahren und einem prägenden Aufenthalt in Paris entwickelte er eine eigene Bildsprache. Während seine frühen Arbeiten noch den Einfluss des Expressionismus erkennen lassen, zeigen spätere Werke eine reduzierte, teilweise archaisch wirkende Figuren- und Formensprache. Neben der Malerei schuf Lange auch Wand- und Ofenkachelgestaltungen.
Ein breites Spektrum künstlerischen Schaffens
Die Ausstellung spannt einen Bogen vom impressionistisch geprägten Landschaftsbild über Farbholzschnitte bis hin zu expressiven Bronzeplastiken – ein facettenreiches Panorama norddeutscher Kunst des 20. Jahrhunderts. Dabei wird deutlich, wie eng Naturerlebnis, Küstenlandschaft und künstlerische Entwicklung miteinander verbunden sind.
Begleitend zur Ausstellung bietet das Museum Führungen, Kunstworkshops sowie besondere Veranstaltungen wie „Kunst & Kuchen“ und „Art & Wine – Weine aus dem Norden“ an. Zudem lädt eine Landschaftsstudie mit dem Künstler Dirk Schmidt dazu ein, selbst kreativ zu werden und die Eindrücke der Ausstellung zeichnerisch umzusetzen.
Die Ausstellung entsteht in Kooperation mit dem Künstlermuseum Heikendorf und seiner Leiterin Dr. Sabine Behrens.
Mit dieser Schau holt das Langenfelder Stadtmuseum ein bedeutendes Kapitel norddeutscher Kunstgeschichte in die Region und macht die Entwicklung Heikendorfs von einem Fischerdorf zur lebendigen Künstlerkolonie anschaulich erfahrbar.