Interview mit Max Grafitti Künstler aus der Ara
Juli252026Es ist ein Ort mit Geschichte, der bald endgültig aus dem Stadtbild verschwinden wird: Das alte Werkshallen-Gelände der Schuhfabrik Ara an der Hardt steht vor dem Abriss. Doch bevor die Bagger anrollen, hat sich hinter den verlassenen Mauern ein stilles, aber umso farbenfroheres Spektakel abgespielt. Über Monate hinweg wurde der Lost Place zum Epizentrum einer internationalen Kunstaktion.
Mittendrin: Max, in der Szene besser bekannt als Zeko. Der Graffitikünstler aus Solingen hat gemeinsam mit seiner Crew und dutzenden internationalen Künstlern den grauen Betonwänden der alten Ara-Hallen noch einmal pulsierendes Leben eingehaucht. Ein gigantisches Mammutprojekt auf Zeit.
Wir vom L’felder hatten das Glück, als einer der letzten Besucher überhaupt die beeindruckenden Graffitis noch mit eigenen Augen in den Hallen sehen zu dürfen. Kurz vor dem endgültigen Abschied haben wir uns mit Zeko getroffen und über den Zauber der alten Hallen, die Faszination der Vergänglichkeit und die Frage gesprochen, wie es sich anfühlt, wenn die eigene monatelange Arbeit bald für immer unter Schutt begraben liegt.
Das Interview
L’felder: Für die Leser und Zuhörer, die dich noch nicht kennen: Wie heißt du, wie lautet dein Künstlername und woher kommst du?
Zeko: Hallo, ich bin Max, in der Szene kennt man mich als Zeko. Ich komme aus Solingen, genauer gesagt aus dem wunderschönen Stadtteil Höhscheid, und sprühe mittlerweile seit 16 Jahren Graffiti.
L’felder: Seit wie vielen Jahren sprühst du schon Graffiti, und wann genau hat diese Leidenschaft bei dir angefangen? Was war damals der Auslöser?
Zeko: Dazu gekommen bin ich damals durch meine Großeltern, als wir auf dem Weg zum Gardasee nach Italien waren. Insgesamt hat die Fahrt 16 Stunden gedauert, weil wir ewig im Stau standen. Ich saß fest und hatte absolut nichts zu tun. Also habe ich angefangen, aus dem Autofenster die ganzen bunten Bilder an den Wänden draußen zu beobachten. Damals wusste ich noch gar nicht, was Graffiti überhaupt ist, aber diese Bilder haben mich während dieser langen Fahrt so fasziniert, dass sie der Startschuss für meine eigene Leidenschaft waren.
L’felder: Erinnerst du dich noch an den Moment, als du das alte Ara-Gebäude in Langenfeld zum ersten Mal betreten hast? Was war dein erster Eindruck von der Location?
Zeko: Ein absoluter Höhepunkt auf meinem Weg war es, für acht Monate Teil eines echten Traumprojekts zu sein. Als ich das Hallengelände zum ersten Mal betreten habe, war ich völlig überwältigt: diese riesige Fläche, das rohe Flair mit der alten Stahlkonstruktion und dem besonderen Lichteinfall.
L’felder: Ein solches Gebäude umzugestalten braucht Zeit. Wie viele Monate hast du insgesamt dort verbracht und an den Wänden gearbeitet?
Zeko: Das war wirklich ein echtes Mammutprojekt. Insgesamt habe ich acht Monate dort verbracht und an den Wänden gearbeitet, um den Hallen dieses neue Gesicht zu geben.
L’felder: Du warst ja nicht alleine dort. Wie viele Künstler haben insgesamt an der Gestaltung der Ara mitgewirkt, und wie lief die Zusammenarbeit ab? Aus welchen Ländern kamen die Künstler alle?
Zeko: Was wir anfangs mit der HARLEKINZ Crew gestartet haben, entwickelte sich schnell zu etwas viel Größerem: Insgesamt kamen über 40 Künstler aus verschiedensten Nationen und Städten zusammen. Für mich war dieser Austausch eine enorme Bereicherung. Zu sehen, wie unterschiedlich die Leute an ihre Pieces herangehen und sich davon etwas abzugucken, war eine tolle Erfahrung. Die Künstler, deren Arbeiten ich als Jugendlicher an meiner Zimmertür hängen hatte, waren plötzlich über Monate hinweg bei uns in der Halle. Aus Vorbildern wurden Kollegen, mit denen man abends ganz entspannt bei Bier und Grillen zusammensaß. Das war das größte Herzensprojekt, das ich mir je hätte vorstellen können.
L’felder: Graffitikunst auf Lost Places oder alten Industriegebäuden ist oft temporär. Das Ara-Gebäude wird irgendwann abgerissen – fühlt sich das für dich nicht schlecht oder traurig an, wenn deine monatelange Arbeit dadurch zerstört wird?
Zeko: Natürlich tut es im ersten Moment weh, wenn man sieht, dass so ein Stück Geschichte und so ein absolutes Mammutprojekt irgendwann wieder zerstört wird. Aber am Ende geht es im Leben wohl genau darum: ums Ansammeln und das Loslassen. Die Vergänglichkeit liegt in der Natur von Graffiti. Auch wenn dieser Ort jetzt weg ist, bleibt das, was wir dort geschaffen haben.
L’felder: Was nimmst du persönlich aus der Zeit im Ara-Gebäude mit, selbst wenn die Wände bald nicht mehr existieren?
Zeko: Was ich aus dieser Zeit auf jeden Fall mitnehme, ist: Man sollte sich niemals sagen lassen, dass etwas unmöglich ist. Nur weil es für andere nicht klappt, heißt das nicht, dass es für einen selbst nicht funktioniert. Das war ganz bestimmt nicht unser letztes Projekt.




L‘felder
Aktualisiert am 20. Juli 2026
